Rechtsberatung Administrativhaft – Zugang zu Recht für Menschen in ausländerrechtlicher Haft

Rechtsberatung Administrativhaft – Zugang zu Recht für Menschen in ausländerrechtlicher Haft

  1. Goal
    Im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft (ZAA) in Kloten sitzen bis zu 130 Menschen – oft ohne jegliche Rechtsvertretung. Obwohl persönliche Freiheit ein Grundrecht ist, erhalten Inhaftierte im Gegensatz zu strafrechtlich Verurteilten keinen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsberatung. Eine Person kann bis zu 18 Monate in Haft bleiben, ohne dass ihre Situation jemals gerichtlich überprüft wird.Seit 2019 setzt AsyLex genau hier an: Unser spezialisiertes Detention Team berät und vertritt Personen im ZAA kostenlos – telefonisch, schriftlich und vor Gericht. 2024 wurden 204 Betroffene unterstützt und über 28 Personen freigelassen. In der Projektphase 2026/27 wollen wir diese Arbeit fortführen, das Team weiter professionalisieren und durch neue LegalTech-Tools noch mehr Menschen erreichen.
  2. Challenge
    Jedes Jahr werden in der Schweiz tausende asylsuchende Personen in ausländerrechtliche Administrativhaft genommen. Diese Massnahme wird nicht durch ein Gericht, sondern durch kantonale Migrationsbehörden angeordnet. Dabei gilt zwar das Prinzip der Verhältnismässigkeit – Administrativhaft darf nur als ultima ratio eingesetzt werden – doch in der Praxis findet kaum ein öffentlicher Diskurs über mildere Alternativen statt.Die Betroffenen befinden sich in einer extrem vulnerablen Situation: Sie leiden unter Traumata, Angst und Depressionen, sind von ihren Familien getrennt und verstehen das Rechtssystem oft nicht. Sprachbarrieren verstärken die Isolation zusätzlich. Anders als strafrechtlich Inhaftierte haben sie keinen gesetzlichen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsberatung – und viele erleben einen wochenlangen Freiheitsentzug, der nie richterlich überprüft wird.
  3. Need for Action
    Der Handlungsbedarf ist konkret und dringend. Erstens braucht es niederschwelligen Zugang: Personen in Administrativhaft müssen schnell und unkompliziert Rechtsberatung in Anspruch nehmen können – telefonisch, schriftlich, in ihrer Sprache. AsyLex ist die einzige Organisation mit Erlaubnis zur Auslage von Vollmachten und Kontaktformularen direkt im ZAA Zürich und betreibt eine eigene Detention-Hotline an fünf Tagen pro Woche. Zweitens braucht es professionelle Rechtsvertretung: Unrechtmässige Haftanordnungen müssen angefochten werden. Ohne juristische Begleitung bleiben Grundrechtsverletzungen unbemerkt und unangefochten. Strategische Fälle bis vor Bundesgericht schaffen Präzedenzfälle, die die Rechtspraxis für tausende weitere Personen verbessern. Drittens braucht es strukturelle Stärkung: Die konstant hohe Nachfrage zeigt, dass das Projekt unverzichtbar ist. Mentoring, digitale Tools und strukturierte Feedbackprozesse sichern die Qualität und Nachhaltigkeit der Arbeit langfristig.
  4. Measures
    Das Projekt setzt auf vier Massnahmen: Rechtsberatung & Vertretung: Personen im ZAA werden telefonisch und schriftlich beraten. Bei Bedarf erfolgt Vertretung vor Behörden und Gerichten. Ausgewählte Fälle werden strategisch bis vor Bundesgericht weitergezogen, um Präzedenzfälle zu schaffen. LegalTech-Ausbau: Neue BRYTER-Tools, automatisierte Formulare und Chatbots werden entwickelt und in sieben Sprachen übersetzt. Sie leiten Freiwillige durch komplexe Prozesse und ermöglichen höchste Qualität bei minimalem Aufwand. Schulung & Mentoring: Regelmässige Team-Meetings, eine Weiterbildungsveranstaltung zum Thema Administrativhaft und ein strukturiertes Mentoring-Programm sichern die fachliche Qualität und die langfristige Bindung von Freiwilligen. Netzwerk & Öffentlichkeitsarbeit: Kooperationen mit NGOs, Behörden und Organisationen im Raum Zürich werden ausgebaut, um Synergien zu schaffen und den Zugang für Betroffene zu erleichtern.
  5. Cooperation Partner
    BRYTER unterstützt AsyLex mit einem Pro-bono-Sponsoring von CHF 20'000 und ermöglicht die Entwicklung automatisierter LegalTech-Tools für die Fallbearbeitung in Administrativhaftverfahren. Kanton Zürich / ZAA: AsyLex ist eine der wenigen Organisationen mit offizieller Erlaubnis zur Auslage von Vollmachten und Kontaktformularen direkt im Haftzentrum – eine besondere Vertrauensstellung, die den direkten Zugang zu Betroffenen ermöglicht. Darüber hinaus arbeitet AsyLex mit einem Netzwerk von NGOs, Behörden und spezialisierten Organisationen im Raum Zürich zusammen. Intern stützt sich das Projekt auf rund 30 spezialisierte Freiwillige aus den Bereichen Recht, Übersetzung und IT, koordiniert durch eine professionelle Projektleitung und Geschäftsstelle.
  6. Impact
    Ergebnisse: Laufende Rechtsberatung und -vertretung für Personen im ZAA Zürich. Referenzwert 2024: 204 unterstützte Personen, über 28 Freilassungen. Einführung neuer BRYTER-Tools und eines digitalen Feedbacksystems. Durchführung von Schulungen und Weiterbildungen für Freiwillige. Direkter Nutzen: Menschen in einer der belastendsten Situationen – inhaftiert, von der Familie getrennt, ohne Kenntnis ihrer Rechte – erhalten kostenlose, qualifizierte Rechtsberatung. Unrechtmässige Haftanordnungen werden angefochten. Die Beratung vermittelt nicht nur rechtliche Klarheit, sondern auch das Gefühl, nicht allein zu sein – mit spürbarer stabilisierender Wirkung in einer psychisch extrem belastenden Lage. Gesellschaftliche Wirkung: Wegweisende Bundesgerichtsentscheide verbessern die Rechtspraxis für alle Personen in Administrativhaft in der Schweiz. Das Projekt setzt ein klares Signal: Freiheitsentzug ohne Rechtsschutz ist nicht akzeptabel – auch nicht im Ausländerrecht.
  7. Special Quality of the Project; Suitability of the Organization
    Einzigartiger Zugang: AsyLex ist die einzige Organisation mit direktem Zugang zum ZAA Zürich – durch Auslage von Vollmachten im Haftzentrum und eine eigene Detention-Hotline an fünf Tagen pro Woche. Dieser direkte Draht zu Betroffenen ist nicht replizierbar. Bewährte Wirkung: Seit 2019 hat das Detention Team hunderte Personen unterstützt, mehrere wegweisende Entscheide erwirkt und zahlreiche Freilassungen erzielt. 2024 wurden 204 Betroffene unterstützt und über 28 Personen aus dem ZAA freigelassen. Der Track Record spricht für sich. Digitale Innovation: AsyLex verbindet juristische Expertise mit technologischer Innovation. BRYTER-Tools, mehrsprachige Chatbots und eine vollständig digitale Infrastruktur ermöglichen schnelle, qualitativ hochstehende Fallbearbeitung – auch bei akuten, zeitkritischen Situationen wie bevorstehenden Ausschaffungsflügen.

Area of Impact