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Goal
Trotz der Ratifizierung der UN-BRK durch die Schweiz im Jahr 2014 bleibt die Wahlfreiheit beim Wohnen für Menschen mit Beeinträchtigung stark eingeschränkt. Viele junge Erwachsene mit Unterstützungsbedarf leben entweder weiterhin im Elternhaus oder in institutionellen Wohnformen, welche die Selbstbestimmung einschränken. Inklusive Wohnformen, – bspw. inklusive Wohngemeinschaften (WGs) oder inklusive Wohnanlagen – in denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gleichberechtigt zusammenleben, bieten hier eine konkrete, lebensnahe Alternative.
Das Projekt «Zukunft Inklusiv Wohnen – Beraten & Begleiten» setzt genau hier an: Es befähigt diverse Akteur:innen – Institutionen, zivilgesellschaftliche Initiativen, Privatpersonen – dazu, inklusive Wohnformen zu realisieren. Durch gezielte Beratung, Schulung und Systementwicklung wird ein Modell verbreitet, das von Blindspot seit 2022 bereits in der Praxis erprobt ist und nachweislich wirkt.
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Challenge
Artikel 19 der UN-BRK garantiert das Recht auf selbstbestimmte Lebensführung und die freie Wahl der Wohnform – doch die Realität sieht oft anders aus:
• Viele junge Erwachsene mit Beeinträchtigung leben entweder weiterhin im Elternhaus oder in institutionellen Wohnformen mit stark reglementierten Tagesabläufen.
• Die Wahlfreiheit ist begrenzt – sowohl durch strukturelle Barrieren als auch durch fehlende Alternativen.
• Der Zugang zum regulären Wohnungsmarkt ist erschwert: Hindernisfreiheit und finanzielle Ressourcen sind oft nicht gegeben.
• Institutionelle Wohnformen sind häufig nicht auf die Bedürfnisse junger Erwachsener ausgerichtet – insbesondere was Autonomie, Beziehungsgestaltung und Alltagsteilnahme betrifft.
Diese Ausgangslage widerspricht nicht nur nationalen und internationalen Verpflichtungen, sondern auch dem gesellschaftlichen Anspruch auf Teilhabe und Gleichberechtigung.
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Need for Action
Die gesellschaftliche und politische Dynamik macht jetztiges Handeln dringend: Die Revision des IFEG, die Inklusionsinitiative und der wachsende Druck auf kantonaler Ebene schaffen ein einmaliges Zeitfenster, um inklusive Wohnformen strukturell zu verankern. Wird dieses Momentum verpasst, droht die Umsetzung von Artikel 19 UN-BRK erneut zu stocken – mit der Folge, dass Menschen mit Beeinträchtigung weiterhin in institutionellen Wohnformen leben, ihre Selbstbestimmung eingeschränkt bleibt und die Gesellschaft auf wertvolle inklusive Impulse verzichtet. Gleichzeitig zeigen Evaluationen und Pilotprojekte: Inklusive Wohnformen funktionieren, fördern Selbstständigkeit und soziale Teilhabe und sind auch wirtschaftlich tragfähig. Jetzt braucht es systematische Unterstützung, Beratung und politische Verankerung, damit aus erfolgreichen Einzelprojekten eine nachhaltige Bewegung entsteht.
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Measures
Es gilt drei ineinandergreifende Projektbausteine parallel anzugehen:
1. Multiplikation des Modells durch Beratung und Schulung
Es wird ein professionelles Beratungs- und Schulungsangebot aufgebaut, das sich primär an Behinderteninstitutionen und unabhängige zivilgesellschaftliche Strukturen (z. B. Wohnbaugenossenschaften) richtet. Die Beratungen und Begleitungen umfassen Schulungen für Fachpersonen, Prozessbegleitung und Qualitätsmanagement. Die Projekte werden aktiv und vor Ort begleitet und weiterentwickelt.
2. Systemische Verankerung inklusiver Wohnformen
Das Projekt gibt Inputs zur Entwicklung eines nachhaltiges Finanzierungsmodells, das sich in kantonale Subjektfinanzierungen integriert und sucht den Dialog mit politischen Entscheidungsträger:innen
3. Sensibilisierung und Empowerment
Inklusive Wohnformen brauchen gesellschaftliche Sichtbarkeit und Akzeptanz. Hierfür leisten wir Aufklärungsarbeit bei Menschen mit Beeinträchtigung, Angehörigen, Fachpersonen und Institutionen
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Cooperation Partner
Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit Partner:innen aus Zivilgesellschaft, Fachwelt und Verwaltung umgesetzt. Blindspot arbeitet mit Organisationen zusammen, die inklusive Wohnformen initiieren oder weiterentwickeln möchten – etwa mit Institutionen, regionalen Behindertenorganisationen und Wohnbaugenossenschaften. Auf kantonaler Ebene bestehen Kontakte zu Sozialämtern, IV-Stellen und Fachstellen für Gleichstellung, um nachhaltige Finanzierungsmodelle zu fördern. Menschen mit Beeinträchtigung, Angehörige und Mitbewohner:innen sind als Expert:innen in eigener Sache aktiv beteiligt. So entsteht ein breites Netzwerk, das inklusive Wohnformen in Praxis, Politik und Öffentlichkeit verankert.
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Impact
Kurzfristig werden durch Beratung, Schulung und Begleitung Fachpersonen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Initiativen befähigt, eigene inklusive Wohnformen zu entwickeln. Es entstehen neue inklusive Wohngemeinschaften und tragfähige Strukturen.
Mittelfristig stärkt das Projekt die Selbstbestimmung und Wahlfreiheit von Menschen mit Beeinträchtigung. Sie erhalten konkrete Wohnalternativen ausserhalb institutioneller Strukturen und erleben mehr soziale Teilhabe. Gleichzeitig entstehen in den beteiligten Organisationen neue Kompetenzen und Haltungen im Umgang mit Inklusion.
Langfristig trägt das Projekt zu einem gesellschaftlichen Wandel bei: Inklusive Wohnformen werden als normale Option wahrgenommen, Fachwissen verbreitet sich systematisch, und politische sowie finanzielle Rahmenbedingungen werden angepasst – damit inklusive Wohnformen selbstverständlich sind.
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Special Quality of the Project; Suitability of the Organization
«Zukunft Inklusiv Wohnen – Beraten & Begleiten» zeichnet sich durch seinen Modell- und Transfercharakter aus: Das Projekt geht über einzelne inklusive Wohninitiativen hinaus und schafft die strukturellen Voraussetzungen, damit inklusive Wohnformen in der Schweiz langfristig verbreitet und finanziell tragfähig werden. Es verbindet Praxis, Forschung und Politik und stärkt Akteur:innen darin, inklusive WGs eigenständig zu gründen und zu betreiben. Die besondere Qualität liegt in der systemischen Wirkung: aus einem erprobten Modell entsteht ein skalierbarer Standard für inklusives Wohnen.
Blindspot ist hierfür besonders geeignet: Die Organisation gilt als nationale Pionierin für gelebte Inklusion, mit über 20 Jahren Erfahrung in der Entwicklung, Umsetzung und Beratung von innovativen Projekten in Wohnen, Arbeit, Freizeit und Kultur. Ein interdisziplinäres Fachteam, fundiertes Know-how und ein breites Netzwerk sichern Qualität, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit.